Jun 27 ,2017 erstellt von: Salvatore Chiarenza

"Beispiellose" Attacke in der Ukraine

Vom jüngsten Cyberangriff ist die Ukraine besonders stark getroffen worden. Probleme gab es am internationalen Flughafen in Kiew, in vielen Banken und bei Energiefirmen.

Die Ukrainer haben am Dienstag ungewöhnliche Szenen erlebt. In den Supermärkten standen Menschen vor lahmgelegten Kassen: Auf den schwarzen Bildschirmen stand in roter Schrift die Warnung geschrieben, die Computer würden erst nach Zahlung eines «Lösegeldes» von 300 Dollar in Bitcoin wieder funktionieren. Bankfilialen konnten teilweise ihre Kunden nicht mehr bedienen. Am internationalen Flughafen Kiew-Borispol fiel zeitweise das Fluginformationssystem aus, es kam aber nur vereinzelt zu Verspätungen.

Von der jüngsten Cyberattacke ist die Ukraine besonders stark getroffen worden. Es handle sich um einen «präzedenzlosen» Cyberangriff auf das Land, erklärte Ministerpräsident Hroisman. Allerdings wurden nach seiner Darstellung keine kritischen IT-Systeme in Mitleidenschaft gezogen.

Bis am Abend war eine stattliche Liste an betroffenen Organisationen zusammengekommen. Neben dem Flughafen Borispol meldeten auch die Metro in Kiew oder die staatliche ukrainische Eisenbahn Ukrzaliznytsia Probleme. Mehrere Ministerien und die Stadtverwaltungen von Kiew und Lwiw wurden angegriffen. Vor allem hatten es die Kriminellen aber auf zahlreiche Unternehmen abgesehen. Mindestens sieben Banken berichteten von Angriffen, darunter einige der grössten Institute des Landes wie die Oschadbank. Laut der ukrainischen Notenbank konnten manche Banken ihre Geschäfte am Dienstag nicht störungsfrei durchführen, so fielen etwa Geldautomaten aus.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Infrastruktur-Firmen. Der Mobilfunkanbieter Kyivstar musste seine Computer für den Rest des Tages abstellen, ebenfalls geriet die staatliche Telekomfirma Ukrtelecom ins Visier. Zahlreiche Energiefirmen wie die Stromversorger in den Regionen Kiew und Dnipropetrowsk berichteten von Problemen. Im Kernkraftwerk von Tschernobyl, rund 100 Kilometer ausserhalb Kiews gelegen, konnten einige Strahlungsmessungen nur noch manuell durchgeführt werden.

Schliesslich traf es auch die staatliche Post und einen privaten Expressdienst sowie zahlreiche Fernsehsender, Radiokanäle und Online-Medienportale. In mehreren Fällen wurde von einer Attacke durch die Erpresser-Software «Petya.A» berichtet.

Ukrainische Politiker beschuldigten zunächst reflexartig Russland, hinter dem Cyberangriff zu stehen. So sprach der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Oleksandr Turchynow, von Spuren ins Nachbarland. Allerdings waren auch russische Firmen wie der Ölkonzern Rosneft und zahlreiche weitere Unternehmen in Europa betroffen.

Quelle: Neue Züricher Zeitun, Matthias Benz 27.06.2017 21:39 Uhr, Bild: Reuters

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List of Ukrainian companies and agencies whose websites were attacked by hackers on June 27 (live updates) On June 27, Ukrainian companies, government agencies, and banks were attacked by a large-scale computer virus. Censor.NET publishes the list of companies and agencies whose websites were attacked by hackers on June 27 with Petya.A. virus.

https://en.censor.net.ua/news/445650/list_of_ukrainian_companies_and_agencies_whose_websites_were_attacked_by_hackers_on_june_27_live_updates

Quelle: CENSOR.NET, 27.06.2017, 17:24 Uhr
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